
Diesseits von Digital heißt: Was bleibt, wenn der Bildschirm ausgeht? Dieser Beitrag fragt nach gesundem Medienumgang, nach Medienkompetenz und nach Räumen, in denen Menschen einander unmittelbar begegnen.
Was bleibt diesseits des Digitalen?
Besonders junge und sehr junge Menschen brauchen Unterstützung, um einen gesunden Umgang mit der digitalen Welt zu erlernen. Es geht darum, eigene Medienkompetenz zu entwickeln. Dann kann man andere unterstützen darin, einen neuen Umgang damit zu finden. Ein interessantes Buch mit vielen wissenschaftlichen Hinweisen: „Gesund aufwachsen in der digitalen Medienwelt“
http://www.aufwach-s-en.de/2018/11/gesund-aufwachsen-in-der-digitalen-medienwelt/
Wie viel Zeit verbringen wir vor dem Bildschirm oder mit mobilen Geräten? Kennen wir die positiven und negativen Seiten gut genug? Digitales Fasten nach selbstgesteckten Regeln bringt Bewusstsein und Klarheit über das individuelle Ausmaß.
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Diesseits von Digital: Warum Medienkompetenz mehr ist als Bedienung
Kinder wachsen heute mit Bildschirmen auf, lange bevor sie lesen können. Wer ihnen helfen will, braucht mehr als technische Anleitungen. Medienkompetenz bedeutet, die eigene Aufmerksamkeit zu führen, Inhalte einzuordnen und sich bewusst für oder gegen ein Gerät zu entscheiden.
Diesseits von Digital liegt alles, was sich nicht kopieren lässt: das Gespräch am Tisch, der Geruch nach Regen, das gemeinsame Musizieren. Diese Erfahrungen bilden die Grundlage, auf der digitale Werkzeuge erst sinnvoll werden. Je früher Kinder sie machen, desto freier gehen sie später mit der digitalen Welt um.
5 Wege zu einem bewussten Umgang
- Digitales Fasten: Lege Zeiten ohne Bildschirm fest, zum Beispiel beim Essen und vor dem Schlafen.
- Vorbild sein: Kinder kopieren, was Erwachsene tun. Wer selbst ständig aufs Handy schaut, wird kaum Gehör finden.
- Gemeinsam nutzen: Schaut Filme oder Spiele zusammen an und sprecht danach darüber.
- Gegengewicht schaffen: Handwerk, Garten, Sport und Musik stärken, was Bildschirme nicht geben.
- Beobachten statt verbieten: Wie viel Zeit verbringst du vor Bildschirmen? Schon das Aufschreiben schafft Klarheit.
Diesseits von Digital und die Dreigliederung
Die soziale Dreigliederung fragt, wer wofür zuständig ist. Im Geistesleben gehört Medienbildung in freie Schulen und Elternhäuser, nicht in staatliche Vorschriften. Im Rechtsleben geht es um Schutz: klare Regeln für Kinder und Jugendliche, die für alle gleich gelten. In der Wirtschaft steht die Aufmerksamkeitsökonomie auf dem Prüfstand, denn Angebote, die Menschen möglichst lange binden, dienen selten ihrem Wohl.
Mehr zum Thema findest du in unseren Beiträgen Wie gehen wir mit sozialen Medien um? und Vielfalt im Bildungswesen. Eine allgemeine Einführung bietet Wikipedia: Medienkompetenz.
Häufige Fragen zu Diesseits von Digital
Ab welchem Alter sind Bildschirme sinnvoll? Je jünger ein Kind, desto wichtiger ist die unmittelbare Erfahrung. Digitale Geräte ergänzen sie später, sie ersetzen sie nicht.
Ist digitales Fasten realistisch? Ja, wenn es klein beginnt: eine bildschirmfreie Stunde am Tag ist besser als ein gescheiterter Totalverzicht.
Freiheit · Kulturelles & Geistiges Leben
A. Aktuelle Lage
Deutschland ist bei der Digitalisierung im europäischen Vergleich zurück. Verwaltung läuft auf Fax, Schulen haben keinen flächendeckenden Internetzugang, und das Onlinezugangsgesetz von 2017 sollte 575 Verwaltungsleistungen digitalisieren — bis 2022. Es ist nicht passiert.
Gleichzeitig: Die Tech-Konzerne — Google, Amazon, Meta, Microsoft — haben in zehn Jahren Strukturen aufgebaut, die in demokratischer Gesellschaft keine Entsprechung haben. Digitalisierung ist keine technische Frage. Sie ist eine Machtfrage.
B. Lösungsansätze
- Digitale Souveränität — Europa braucht eigene digitale Infrastruktur: Cloud, Betriebssysteme, soziale Plattformen. Das kostet, aber die Alternative ist dauerhafte Abhängigkeit von US-Konzernen oder chinesischer Infrastruktur.
- Digitale Bildung neu denken — Nicht nur Coding und Apps. Medienkompetenz, kritisches Denken über Algorithmen, Datenschutzbewusstsein. Das sind die digitalen Bürgerkompetenzen.
- Plattformregulierung durchsetzen — Der Digital Services Act ist ein Anfang. Er muss konsequent angewendet werden — gegenüber den größten Plattformen zuerst und mit echten Sanktionen.
C. Praktische Beispiele
Estland, e-Governance — 99 % der Verwaltungsleistungen online. Steuererklärung in 5 Minuten. Digitale Staatsbürgerschaft für Nicht-Estinnen. Zeigt, was möglich ist.
Sovereign Tech Fund (Deutschland) — Bundesfinanzierung für Open-Source-Infrastruktur. Kleines Budget, aber das richtige Prinzip: digitale Gemeingüter brauchen öffentliche Unterstützung.
Nextcloud — Deutsches Unternehmen, das eine europäische Alternative zu Google Drive und Microsoft 365 baut. Datenhoheit als Geschäftsmodell.
D. Orte & Initiativen
Digitale Gesellschaft e.V. — digitalegesellschaft.de
Chaos Computer Club — ccc.de
Sovereign Tech Fund — sovereigntechfund.de
