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Braucht die Dreigliederung eine Partei?

Warum gehört die Dreigliederung nicht in Parteistrukturen?

Immer wieder wird gefragt, ob die soziale Dreigliederung nicht eine Partei gründen oder sich mit bestehenden Kräften verbünden sollte – auch mit solchen am rechten Rand, die ebenfalls „das System“ ablehnen. Dahinter steht der Wunsch, Einfluss zu gewinnen.

Die Dreigliederung kann diesen Weg nicht gehen, aus inhaltlichen und aus formalen Gründen. Inhaltlich steht sie für die Würde jedes Einzelnen, für Freiheit im Geistesleben, Gleichheit vor dem Recht und Brüderlichkeit in der Wirtschaft. Eine völkische, ausgrenzende oder autoritäre Organisation widerspricht diesen drei Prinzipien in ihrem Kern.

Formal ist das Problem ebenso klar: Eine Partei ist ein Instrument, um Staatsmacht zu erlangen. Die Dreigliederung will aber gerade, dass der Staat nicht alles beherrscht. Sie kann nicht zugleich die Machtvermischung kritisieren und selbst zum Machtinstrument werden.

Daraus folgt keine Abstinenz von der Politik. Es folgt eine andere Form des Wirkens: aus der Zivilgesellschaft, aus Initiativen, durch Beispiele und Bildung.

Warum es keine Zusammenarbeit gibt

Zusammenarbeit setzt gemeinsame Ziele voraus. Das gilt für Inhalte und für die Art, wie sie verfolgt werden.

  • Menschenbild: Wer Menschen nach Herkunft oder Gruppe wertet, kann nicht für das Recht jedes Einzelnen eintreten.
  • Methode: Feindbilder und Verschwörungserzählungen sind das Gegenteil von dem, was Dreigliederung in der Urteilsbildung will.
  • Machtanspruch: Autoritäre Bewegungen wollen Geist, Recht und Wirtschaft in einer Hand. Genau das nennt Steiner den Keim des Verfalls.

Eine Geschichte, die mahnt

Auch in der Anthroposophie gab es Annäherungen an nationale Bewegungen. Sie haben der Sache geschadet und sie diskreditiert. Wer die Dreigliederung heute vertritt, trägt die Verantwortung, daraus zu lernen und klare Grenzen zu ziehen.

Wie wirken, ohne Partei zu werden?

Die Dreigliederung wirkt über Menschen, die in ihren Berufen und Gemeinschaften neue Formen erproben, und über Räume, in denen frei gedacht und gesprochen wird. Wo Parteien Ergebnisse brauchen, schafft sie Voraussetzungen.

Ausführlich im Blog: Warum gehört die Dreigliederung nicht in rechtsradikale Parteistrukturen · Parteien und die Dreigliederung

Gleichheit · Staats- & Rechtsleben

A. Aktuelle Lage

Rechtsradikale Parteien haben in Europa Zulauf, auch in Deutschland. Sie sprechen Unzufriedenheit mit Staat, Medien und Wirtschaft an und bedienen sich dabei auch Begriffen wie „Selbstbestimmung“ oder „Volk“. Daraus entsteht für Bewegungen, die ebenfalls Systemkritik üben, eine Versuchung zur Nähe.

Die Dreigliederung unterscheidet sich im Entscheidenden: Sie kritisiert die Vermischung der Macht, nicht ein Feindbild. Sie will Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit für alle Menschen.

B. Lösungsansätze

  • Klare Abgrenzung — Keine Kooperation, keine Auftritte, keine gemeinsamen Listen mit Organisationen, die Menschen ausgrenzen oder die Grundrechte infrage stellen.
  • Wirken aus der Zivilgesellschaft — Initiativen, Genossenschaften, Schulen und Stiftungen setzen die Prinzipien um, ohne Staatsmacht anzustreben.
  • Offene Gesprächsräume — Foren, in denen auch Unzufriedene ernst genommen werden und Urteilsbildung geübt wird, stärken die Mitte, ohne zu vereinnahmen.
  • Aufklärung über die eigene Geschichte — Ein ehrlicher Blick auf Verstrickungen verhindert, dass sie sich wiederholen.

C. Praktische Beispiele

Bürgerräte — In Deutschland tagte 2023 der Bürgerrat Ernährung im Wandel. Zufällig gelostete Menschen beraten über politische Fragen und erarbeiten Empfehlungen jenseits des Parteienstreits.

Waldorfschulen und Anthroposophische Gesellschaft — Der Bund der Freien Waldorfschulen hat sich mehrfach klar von rechtsradikalen Positionen abgegrenzt.

Gemeinwohl-Ökonomie — Unternehmen bilanzieren öffentlich nach Menschenwürde, Solidarität und Mitentscheidung und zeigen, dass Wirtschaft ohne Ausgrenzung funktioniert.

D. Orte & Initiativen

Mehr Demokratie e. V. — mehr-demokratie.de

Bund der Freien Waldorfschulen — waldorfschule.de

Gemeinwohl-Ökonomie — germany.econgood.org