Menschenrechte an jedem Arbeitsplatz
Wir schätzen die Ideale „Freiheit – Gleichheit – Solidarität“ vor allen anderen. Wir üben, sie in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen, sie zu leben und anderen zuteil werden zu lassen. So erkennen wir, dass ein Mehr an Freiheit die Reduzierung von Gleichheit und/oder Solidarität zur Folge haben kann. Ebenso wird mehr Solidarität dadurch erreicht, dass entweder das Prinzip der Gleichheit oder auch der eine oder andere Freiheitsraum reduziert wird.
Wir erwarten in jeder Einrichtung, jedem Verein und Unternehmen, dass diese drei Lebensfelder in ausgewogenem Maße für jeden Mitarbeitenden verwirklicht werden. Dies soll mit den Mitarbeitenden – soweit sie dies wünschen – immer wieder besprochen und vereinbart werden. Hierarchische Führung in Einrichtungen und Unternehmen wird nur dazu benutzt, die „Gleichheit“ aller vor Gesetzen und Vereinbarungen sicherzustellen; Abmahnungen und Sanktionen bedürfen klarer Begründungen mit dem Nachweis von Verstößen gegen Rechtsvorschriften. Teamarbeit und Delegation der Verantwortlichkeit stehen jedem Mitarbeitenden in angemessenem Verhältnis zu.
Brüderlichkeit · Humane & Solidarische Wirtschaft
A. Aktuelle Lage
Freiheit, Gleichheit und Solidarität — das sind keine abstrakten Werte für politische Sonntagsreden. Sie beschreiben das Spannungsfeld, in dem jeder Arbeitsplatz täglich steht. Mehr Freiheit für den Einzelnen bedeutet manchmal weniger Gleichheit für alle. Mehr Solidarität kann bedeuten, dass individuelle Freiheitsräume eingeschränkt werden.
Ein guter Arbeitsplatz hält diese drei Prinzipien in Balance. Das ist schwerer als es klingt — und es scheitert in den meisten Unternehmen täglich: an Willkür, an nicht kommunizierten Erwartungen, an Macht, die nicht hinterfragt werden darf.
B. Lösungsansätze
- Menschenrechte als Betriebsstandard — Jedes Unternehmen, das öffentliche Aufträge erhält oder an öffentlicher Infrastruktur hängt, sollte nachweislich menschenrechtliche Mindeststandards erfüllen — nach innen und in seiner Lieferkette.
- Lieferkettensorgfaltspflicht konsequent umsetzen — Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz ist ein Anfang. Die Praxis zeigt noch große Lücken bei KMU und bei der Kontrolle.
- Mitbestimmung ausbauen — Betriebsräte, Mitarbeiterbefragungen und partizipative Prozesse sind keine Softfaktoren. Sie sind der Mechanismus, durch den Arbeitsrechtsverletzungen sichtbar werden, bevor sie eskalieren.
C. Praktische Beispiele
Patagonia (USA) — Hat Arbeitnehmerrechte, ökologische Verantwortung und Unternehmenskultur zu einem kohärenten Modell verbunden. 2022 hat Gründer Chouinard das Unternehmen in eine Stiftung überführt, die Klimaschutz finanziert.
Deutsche Mitbestimmung — Das duale Modell aus Betriebsrat und Aufsichtsratsmitbestimmung ist weltweit ein Referenzpunkt für die Einbindung von Arbeitnehmerinteressen in Unternehmensentscheidungen.
Fair Wear Foundation — Unabhängige Organisation, die Arbeitsbedingungen in Textilfabriken weltweit prüft und veröffentlicht. Mitgliedsunternehmen müssen Verbesserungen nachweisen.
D. Orte & Initiativen
Deutsches Institut für Menschenrechte — Berlin · institut-fuer-menschenrechte.de
Fair Wear Foundation — fairwear.org
DGB — Grundrechte am Arbeitsplatz — dgb.de