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Erwerbslosigkeit und Kurzarbeitergeld

Erwerbslosigkeit und kurzarbeitergeld

Eine bevorstehende globale Rezession könnte zur Folge habe, dass viele Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Um das zu verhindern, hat die Regierung ein nie zuvor dagewesenes Konjunkturpaket beschlossen. Dessen größter Bestandteil ist das Kurzarbeitergeld. Der Staat bezuschusst die Unternehmen, die das Gehalt der Mitarbeiter weiterzahlt. Höhe und Laufzeit sind variabel. Viele Wirtschaftsunternehmen würden ohne die staatliche Finanzierung des Kurzarbeitergeldes in Konkurs gehen. 

Eine riesige Arbeitslosigkeit entstünde. Kurzarbeitergeld erscheint beim ersten Hinsehen als Segen, da er Arbeitsplätze sichert.

Wenn zur Bewältigung der Krise schon so viele Schulden geschaffen werden, dann sollten diese Mittel mehr für Forschung, Bildung und Anreize für einen zukunftsfähigen Strukturwandel genutzt werden.

Wir sind der Auffassung, dass es nicht die Aufgabe des Staates ist, Kurzarbeitergeld zu finanzieren. Eigentlich sind die Finanzierung und Auszahlung der Einkommen die originäre Pflicht der Unternehmen. Assoziative Unternehmensräte könnten die Verteilung der Mittel regeln. Unternehmen übernehmen zu wenig Verantwortung für ihre Mitarbeiter, wenn sie diese wohlfeil und gut begründet, jedoch ohne Konsequenzen auf die Straße setzen. Die Verantwortung wird beim Staat und damit den Steuerzahlern abgeladen.


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Brüderlichkeit · Humane & Solidarische Wirtschaft

A. Aktuelle Lage

Erwerbsarbeit ist die einzige Form von Arbeit, die gesellschaftlich zählt. Wer Kinder aufzieht, Angehörige pflegt oder sich im Quartier engagiert, arbeitet — aber nicht im Sinne der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Das BIP misst, ob jemand bezahlt wird, nicht ob etwas Sinnvolles entsteht.

Dabei ist das System unter Druck geraten. Digitalisierung und Automatisierung werden viele Routinetätigkeiten ersetzen. Die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell. Und die Antwort auf diese Verschiebung kann nicht sein, Menschen in sinnlose Beschäftigung zu zwingen, nur damit sie einen Status haben.

B. Lösungsansätze

  • Trennung von Arbeit und Einkommen — Ein Grundeinkommen entkoppelt das Existenzrecht vom Erwerbsstatus. Es schafft Raum für Arbeit, die nicht monetarisiert ist, aber gesellschaftlich wertvoll: Pflege, Nachbarschaft, Bildung, Kunst.
  • Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnverlust — Wenn Produktivität steigt, sollte das durch weniger Arbeit für alle, nicht durch mehr Gewinn für wenige, weitergegeben werden. Island und andere Länder haben gezeigt, dass das funktioniert.
  • Neue Indikatoren jenseits des BIP — Der Human Development Index, das Bruttosozialglück Bhutans oder der Genuine Progress Indicator messen, was das BIP ausblendet: Gesundheit, soziale Teilhabe, Umweltqualität.

C. Praktische Beispiele

Island, 4-Tage-Woche (2015–2019) — Der öffentliche Sektor erprobte die Vier-Tage-Woche mit über 2.500 Beschäftigten. Produktivität gleichgeblieben oder gestiegen, Wohlbefinden messbar verbessert. Inzwischen auf 90 % der Arbeitskräfte ausgeweitet.

Finnland, Grundeinkommensexperiment (2017–2018) — 2.000 Langzeitarbeitslose erhielten bedingungslos 560 Euro monatlich. Ergebnis: bessere psychische Gesundheit, mehr gesellschaftliche Beteiligung, kein messbarer Rückgang der Arbeitsbereitschaft.

Gemeinwohl-Ökonomie-Unternehmen — Betriebe, die in ihrer Gemeinwohl-Bilanz auch unbezahlte gesellschaftliche Leistungen ihrer Mitarbeiter erfassen und honorieren.

D. Orte & Initiativen

Netzwerk Grundeinkommen — Deutschland · grundeinkommen.de

Common Future e.V. — Arbeit und Wirtschaft neu denken · common-future.de

Hans-Böckler-Stiftung — Forschung zu Arbeit und Mitbestimmung · boeckler.de