Unternehmensgewinne und Einkommen
Wir beanspruchen in der Zusammenarbeit mit anderen jeweils nur denjenigen Teil der gemeinsamen Erlöse, der uns nach Gesetzen und Vereinbarungen zusteht.
Wir treten dafür ein, dass entstehende Verluste solidarisch getragen werden und dass Überschüsse der Gemeinschaft zugutekommen und Organisationen zur Weiter-entwicklung unserer sozialen, kulturellen und ökologischen Lebensbedingungen einen Anteil bekommen.
Die aktuelle Praxis in Wirtschaftsunternehmen zeigt, dass aus dem Geschäftsbetrieb entstehende Verluste weitgehend von den Mitarbeitenden getragen werden, indem ihnen Kurzarbeit, Lohnkürzungen oder Entlassungen aufgebürdet werden. Im Gegensatz dazu werden „Gewinne“ in der Regel den Kapitalgebern ausgeschüttet, obwohl „Gewinne“ offensichtlich weitgehend den Mitarbeitenden zu verdanken sind. Wir erwarten daher gesetzliche Regelungen, wie mit „Gewinnen“ zukünftig verfahren wird. Vor allem soll geregelt werden, welche Anteile den Mitarbeitenden zugutekommen müssen.
Freiheit · Kulturelles & Geistiges Leben
A. Aktuelle Lage
In der sozialen Dreigliederung trennt Steiner Einkommen strikt von Arbeit: Was ich verdiene, sollte nicht allein davon abhängen, was ich arbeite, sondern davon, was ich zum gesellschaftlichen Leben beitrage — und was ich zum Leben brauche. Das klingt abstrakt, ist aber praktisch: Pflegekräfte bekommen weniger als Hedgefonds-Manager, obwohl ihr gesellschaftlicher Beitrag ungleich größer ist.
Die Einkommensschere in Deutschland ist seit den 1990ern breiter geworden. Das obere Zehntel verdient heute fünf Mal so viel wie das untere Zehntel — Tendenz steigend.
B. Lösungsansätze
- Mindestlohn als Mindestwürde — Ein existenzsichernder Mindestlohn ist keine Frage der Wirtschaftstheorie, sondern der Gerechtigkeit. Derzeit liegt er in Deutschland unter dem, was Ökonomen als Existenzminimum berechnen.
- Lohntransparenz herstellen — Wenn bekannt ist, was Kolleginnen und Kollegen verdienen, wird Diskriminierung sichtbarer und angreifbarer. Das Entgelttransparenzgesetz ist ein Anfang — mit zu hohen Hürden.
- Soziale Bewertung von Berufen überdenken — Pflege, Erziehung, Sozialarbeit — systemrelevant in der Krise, systemisch unterbezahlt außerhalb. Das ist kein Marktversagen, sondern eine politische Entscheidung.
C. Praktische Beispiele
Equal Pay Day — Macht den Gender Pay Gap sichtbar: Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt 18 % weniger als Männer. Bewusstsein als erster Schritt.
Tarifvertrag Pflege — Seit 2021 gilt für Pflegekräfte ein Mindestlohn, der deutlich über dem allgemeinen liegt. Ergebnis jahrelanger Gewerkschaftsarbeit.
Gemeinwohl-Bilanz — Unternehmen, die eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen, bewerten auch, ob ihre Einkommensstruktur sozial verträglich ist.
D. Orte & Initiativen
Hans-Böckler-Stiftung — boeckler.de
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) — wsi.de
Equal Pay Day — equalpayday.de