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Arbeit neu Denken und leben

Arbeit neu denken – von der Ware zur Gemeinschaft

Die Bezahlung und damit die Käuflichkeit menschlicher Arbeit stellt heute einen Rest des alten Sklaventums dar. Menschen, die für einen Lebensunterhalt kämpfen müssen, können ihre Arbeit häufig nicht für das einsetzen, wofür sie eigentlich befähigt sind. Auf dem Arbeitsmarkt kämpfen auch die Arbeitnehmer für höhere Löhne und die Arbeitgeber für niedrigere. Diese Spannung ist unnötig und schadet dem Ganzen.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind so einzurichten, dass jeder eine der Arbeitsleistung entsprechende Entlohnung erhält, die es ihm ermöglicht, nicht nur sich selbst zu versorgen, sondern auch an allen kulturellen Gütern und Errungenschaften der Gesellschaft teilzunehmen. Jeder Mensch soll eine Maximalarbeitszeit nicht überschreiten müssen. Das Verhältnis von Höchst- zu Mindestlohn sollte im Verhältnis 1:10 nicht überschreiten.

Historischer Hintergrund

Die Idee der menschlichen Arbeit als handelbare Ware ist historisch jung und zutiefst problematisch. Erst im Industriezeitalter wurde Arbeitskraft vollständig kommerzialisiert – davor gab es Zünfte, Gilden, Gemeindewirtschaften und andere Formen der Arbeitsorganisation, die den Menschen als Ganzes in den Blick nahmen, nicht nur seine Produktivität.

Karl Polanyi beschrieb in „The Great Transformation“ (1944) treffend: Arbeit, Boden und Geld sind Scheinwaren – sie wurden durch historische Prozesse zu Waren gemacht, obwohl sie es von Natur aus nicht sind. Arbeit ist menschliche Tätigkeit und Lebensäußerung – kein Produkt.

Was es bedeutet, Arbeit neu zu denken

Arbeit neu zu denken bedeutet:

  • Entkopplung von Arbeit und Überleben: Ein Grundeinkommen oder bedarfsorientiertes Grundsicherungssystem gibt Menschen die Freiheit, zu wählen, wie und wo sie ihre Arbeitskraft einsetzen
  • Partnerschaft statt Arbeitgeber-Arbeitnehmer: Menschen arbeiten zusammen, nicht füreinander – mit geteilter Verantwortung, geteiltem Wissen, geteiltem Gewinn
  • Faire Einkommensverhältnisse: Das Verhältnis von Höchst- zu Mindestverdienst in einem Unternehmen sollte 10:1 nicht übersteigen
  • Maximalarbeitszeiten: Überarbeitung schadet Einzelnen und der Gesellschaft – gerechte Verteilung von Arbeit bedeutet auch, Arbeit zu verteilen

Modelle für eine andere Arbeitswelt

Es gibt bereits Unternehmen und Organisationen, die beweisen, dass es anders geht:

  • Mitarbeitereigentum (ESOPs): In den USA besitzen Millionen Mitarbeitende Anteile ihrer Unternehmen – mit nachweislich höherer Produktivität und Zufriedenheit
  • Genossenschaften: Mondragon in Spanien beschäftigt 80.000 Menschen in einer Genossenschaftsstruktur mit begrenzter Lohnspreizung
  • Holokratie und Soziokratie: Organisationsmodelle, die Hierarchien durch Kreise und Rollen ersetzen
  • 4-Tage-Woche: Studien aus Großbritannien, Island und Japan zeigen: Weniger Arbeitszeit führt zu gleicher oder höherer Produktivität

Die Transformation der Arbeit ist nicht nur wirtschaftlich – sie ist eine kulturelle Frage. Sie beginnt damit, wie wir über Arbeit denken, reden und leben.

Weiterführend: Arbeit und Einkommen · Grundsicherung · Stiftung für Arbeit · Eigentum und Besitz

Gleichheit · Staats- & Rechtsleben

A. Aktuelle Lage

Artikel 23 der UN-Menschenrechtserklärung sagt: Jeder hat das Recht auf Arbeit. Im deutschen Grundgesetz fehlt dieses Recht. Es gibt das Recht auf freie Berufswahl (Artikel 12 GG), aber kein einklagbares Recht auf einen Arbeitsplatz oder auf sinnvolle Beschäftigung.

Gleichzeitig werden Millionen Menschen in Deutschland über das Bürgergeld-System verwaltet, das trotz Reform immer noch stark auf Kontrolle und Sanktion ausgerichtet ist — und nicht auf die Ermöglichung von Arbeit. Das Recht auf Arbeit wäre ein anderer Ansatz: nicht Pflicht zur Arbeit, sondern Anspruch auf Arbeitsmöglichkeit.

B. Lösungsansätze

  • Recht auf Arbeit ins Grundgesetz — Als Staatsziel verankert: Der Staat ist verpflichtet, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen alle Menschen Arbeit finden können. Das ist kein Beschäftigungsgarantie-Programm, sondern eine politische Verpflichtung.
  • Öffentliche Beschäftigung als letztes Netz — Wer keine Arbeit findet, kann für einen Mindestlohn gemeinnützige Arbeit leisten — freiwillig. Das ist kein Zwangsprogramm, sondern ein Angebot: Würde statt Almosen.
  • Arbeitsbegriff erweitern — Das Recht auf Arbeit sollte Pflege, Ehrenamt und Sorgearbeit einschließen. Gesellschaftlich notwendige Arbeit jenseits des Erwerbssystems verdient Anerkennung und Unterstützung.

C. Praktische Beispiele

Job Guarantee (USA, Diskussion) — Ökonominnen wie Pavlina Tcherneva haben konkrete Modelle für staatliche Beschäftigungsgarantien entwickelt. Kein vollständiger Konsens, aber seriöse Debatte.

Finnland, Beschäftigungsgarantie für Jugendliche — Jugendliche unter 25 haben Anspruch auf Arbeit, Ausbildung oder Praktikum innerhalb von drei Monaten nach Meldung beim Arbeitsamt. Das Recht auf Arbeit für eine spezifische Gruppe.

Stiftung für Arbeit (Idee der Dreigliederung) — Assoziative Strukturen, die Arbeit vermitteln und Arbeitssuchende mit Anbietern zusammenbringen — ohne staatliche Bürokratie und ohne Marktlogik.

D. Orte & Initiativen

DGB — Recht auf Arbeitdgb.de

Netzwerk Grundeinkommengrundeinkommen.de

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschungiab.de

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