
Freie Wissenschaft
Forschung und Wissenschaft beleben einen freien Ideenreichtum für die Gesellschaft. Das heißt, kein Unternehmen kann sich durch ein Patent bestimmte Forschungsergebnisse schützen lassen und diese häufig im Sinne einer Gewinnmaximierung in den eigenen Produkten nutzen. Forschungsergebnisse stehen dann allen Unternehmen weltweit zur Verfügung – oder gegen eine Nutzungsgebühr, damit die Forschung auch weiterhin finanziert werden kann.
Es wird nicht mehr notwendig sein, dass große Unternehmen kleine aufkaufen, um sich Forschungsergebnisse für das eigene Produktportfolio zu sichern. Wer eine Erfindung für seine Kunden verwenden will, sollte sie auch nutzen können. Dadurch, dass Erfindungen nutzbar sind, werden Ideen viel schneller weltweit in Produkte integriert, anstatt erst auf das Ablaufen eines Patentes warten zu müssen.
Vorläufig könnte die Umgestaltung des Patentwesens zunächst für Patente und Unternehmen im eigenen Land umgesetzt werden. Gestaltet sich dies erfolgreich, so dass jedes Unternehmen gegen Gebühr sofort die Ideen im Patent nutzen kann, werden weitere Länder sich anschließen.
Wissenschaft im freien Geistesleben
Im Sinne der Sozialen Dreigliederung gehört Wissenschaft in das Geistesleben – also in die Sphäre der Freiheit. Das bedeutet: keine staatliche Agenda, die vorschreibt, was erforscht wird; keine Unternehmensinteressen, die bestimmte Ergebnisse finanzieren und andere unterdrücken. Wissenschaft, die wirklich frei ist, dient der Wahrheit – und damit langfristig der gesamten Menschheit.
Die Realität sieht heute anders aus. Pharmaunternehmen finanzieren klinische Studien und veröffentlichen bevorzugt positive Ergebnisse. Forschungseinrichtungen sind auf Drittmittel angewiesen – aus der Industrie oder von politischen Trägern mit Eigeninteressen. Wissenschaftliche Karrieren hängen von Publikationszahlen ab, nicht von der gesellschaftlichen Relevanz der Forschung.
Open Science – ein Schritt in die richtige Richtung
Die Open-Science-Bewegung bewegt sich in die richtige Richtung: Öffentlich finanzierte Forschung soll frei zugänglich sein. Viele europäische Forschungsfördereinrichtungen schreiben inzwischen Open-Access-Publikationen vor. Das ist ein Fortschritt – aber es löst das strukturelle Problem nicht, solange die Grundfinanzierung der Wissenschaft weiter von wirtschaftlichen Interessen abhängt.
Freie Forschung finanzieren
Wie kann Wissenschaft finanziert werden, wenn Patentschutz entfällt? Durch:
- Öffentliche Grundfinanzierung durch das Rechtsleben – für Grundlagenforschung ohne kommerzielle Verwertungsabsicht
- Nutzungsgebühren statt Patentmonopole: Wer eine Erfindung nutzt, zahlt eine faire Gebühr, die in den Forschungspool fließt
- Assoziative Finanzierung durch Wirtschaftsverbände, die gemeinsam Forschungseinrichtungen tragen
- Stiftungen und Schenkungen aus dem Geistesleben – zweckgebundene Mittel für freie Wissenschaft
Um die Vorteile einer freien Forschung zu erkennen, kann jeder einen Blick in die öffentlich zugänglichen Patentämter werfen. Welches Unternehmen sichert sich durch patentierte Produkte seine Marktstellung? In welche Länder gelangen diese Produkte – und in welche eben nicht?
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A. Aktuelle Lage
Deutschland investiert rund 3 % des BIP in Forschung und Entwicklung — einer der höchsten Werte weltweit. Trotzdem gibt es strukturelle Probleme: Der Großteil der Forschungsförderung ist projektgebunden und kurzfristig. Grundlagenforschung ohne klares Anwendungspotenzial ist unterfinanziert. Und die Verwertungslogik hat die Wissenschaft erfasst: Forscher werden an Publikationszahlen gemessen, nicht an der Qualität ihrer Erkenntnisse.
Der Impact Factor und die Anzahl der Zitierungen bestimmen Karrieren. Das bevorzugt Konformismus vor Originalität.
B. Lösungsansätze
- Grundlagenforschung langfristig finanzieren — Erkenntnisse, die die Welt verändern, entstehen nicht auf Bestellung. Langfristige, ergebnisoffene Forschungsförderung ohne Verwertungspflicht.
- Open Access als Standard — Steuerzahler-finanzierte Forschung soll öffentlich zugänglich sein. Nicht hinter Paywall bei Verlagen, die für das Lesen von Forschung Geld verlangen, die sie selbst nicht finanziert haben.
- Forschungsfreiheit schützen — Wissenschaft darf nicht von wirtschaftlichen oder politischen Interessen abhängig sein. Drittmittelabhängigkeit schafft strukturelle Anreize zur Selbstzensur.
C. Praktische Beispiele
Max-Planck-Gesellschaft — 86 Institute, Grundlagenforschung ohne unmittelbaren Verwertungsdruck. Hat mehr Nobelpreisträger hervorgebracht als die meisten anderen Forschungsinstitutionen.
arXiv.org — Open-Access-Preprint-Server für Physik, Mathematik, Informatik. Zeigt, dass wissenschaftlicher Austausch ohne Verlagszwischenschaltung funktioniert.
CERN — Internationale Grundlagenforschung. Das World Wide Web entstand als Nebenprodukt — das ist Grundlagenforschung.