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Verantwortungseigentum ermöglichen

Verantwortungseigentum ermöglichen

Wir engagieren uns in unserer Arbeit in Unternehmen genauso wie in allgemeinwohl-orientierten Initiativen und Unternehmungen und erwarten auch hier, dass sie diesem dauerhaft dienen und in keiner Weise egoistischen Interessen anheimfallen.

Für Unternehmen gibt es bislang keine Rechtsform, die sicherstellt, dass nicht über Vererbung und Verkauf der Wert des gemeinsam erarbeiteten Eigentums an Dritte fällt. Wir wünschen uns zusätzlich zu den bestehenden Rechtsgestaltungen eine weitere Rechtsform für Unternehmen in Verantwortungseigentum, die dies sicherstellt. Siehe auch Rechtsform Stiftungen im Rechtsleben.

Was Verantwortungseigentum bedeutet

Ein Unternehmen in Verantwortungseigentum gehört niemandem im klassischen Sinne – und dennoch jemandem: denjenigen, die es aktiv führen und verantworten. Es gibt zwei zentrale Merkmale:

  • Selbstbestimmung: Die Kontrolle über das Unternehmen liegt dauerhaft bei denjenigen, die in ihm arbeiten und Verantwortung tragen – nicht bei Investoren oder Erben.
  • Zweckbindung: Gewinne werden reinvestiert oder für gemeinnützige Zwecke eingesetzt – sie fließen nicht als Ausschüttung aus dem Unternehmen heraus.

Dieses Prinzip entspricht exakt dem, was die Soziale Dreigliederung als produktives Nutzungseigentum beschreibt: Eigentum an Produktionsmitteln sollte bei denen liegen, die damit arbeiten und die Verantwortung tragen – nicht dauerhaft vererbt oder verkauft werden.

Gelebte Beispiele

Verantwortungseigentum ist keine utopische Idee – es existiert bereits:

  • Carl Zeiss Stiftung (Jena): Seit 1889 gehört das Unternehmen einer Stiftung. Kein Aktionär, keine Erben – der Zweck des Unternehmens steht im Mittelpunkt.
  • Bosch GmbH: 94 % des Unternehmenskapitals liegt bei der Robert-Bosch-Stiftung – Gewinne fließen in gemeinnützige Zwecke.
  • Alnatura: Die Biosupermarkt-Kette ist als Gemeinschaftseigentum strukturiert und schüttet Gewinne nicht an externe Investoren aus.
  • Ecosia: Die Suchmaschine, die mit Werbeeinnahmen Bäume pflanzt, hat sich verpflichtet, dass das Unternehmen nie verkauft oder börsennotiert werden darf.

Die Kampagne für eine neue Rechtsform

In Deutschland kämpft seit Jahren eine Initiative unter dem Namen Purpose Network für die Einführung einer eigenen Rechtsform für Verantwortungseigentum. Bisher scheiterte dies am Widerstand im Bundestag. Bis eine solche Rechtsform existiert, nutzen Unternehmen Konstruktionen aus GmbH plus Treuhand-Stiftung, die dasselbe Prinzip abbilden – aber aufwendig und rechtlich unsicher sind.

Was du tun kannst

  • Kaufe bei Unternehmen in Verantwortungseigentum – und frage bei deinen Lieblingsunternehmen nach ihrer Eigentümerstruktur
  • Unterstütze politisch die Einführung einer Rechtsform für Verantwortungseigentum
  • Wenn du selbst ein Unternehmen führst: Informiere dich über die Möglichkeiten einer Verantwortungseigentumsstruktur

Weiterführend: Eigentum und Besitz · Unternehmensverkauf legitimieren · Stiftungen und Schenkungen · Gemeinnütziges Wirtschaften

Brüderlichkeit · Humane & Solidarische Wirtschaft

A. Aktuelle Lage

Unternehmen können heute verkauft, vererbt, zerlegt und an der Börse gehandelt werden wie jede andere Ware. Das Problem: was über Jahrzehnte gemeinsam aufgebaut wurde — Vertrauen, Wissen, Unternehmenskultur — lässt sich nicht übertragen. Es geht verloren, wenn ein Unternehmen den Eigentümer wechselt und der neue eine andere Renditeerwartung mitbringt.

Verantwortungseigentum löst das, indem es Eigentum und Kontrolle trennt: Wer ein Unternehmen führt, hat die Verantwortung. Aber er kann es nicht verkaufen oder als Erbschaft weitergeben. Das Unternehmen gehört sich selbst — seinem Zweck.

B. Lösungsansätze

  • Neue Rechtsform „Unternehmen in Verantwortungseigentum" — Deutschland diskutiert seit Jahren eine eigene Rechtsform, die Verantwortungseigentum rechtlich absichert. Ohne sie sind aufwändige Stiftungs- und Gesellschaftskonstruktionen nötig.
  • Zweckbindung statt Eigentümerwillkür — Der Unternehmenszweck wird in der Satzung verankert und kann nicht durch einen Verkauf oder Erbgang geändert werden. Neue Führung übernimmt den Zweck, nicht die Vermögensmasse.
  • Freiwillige Übertragung fördern — Steuerliche Anreize für Unternehmer, die ihr Unternehmen in nicht-verkäufliche Strukturen überführen, bevor sie es an Nachfolger übergeben.

C. Praktische Beispiele

Alnatura — Gründer Götz Rehn hat das Unternehmen in eine Struktur überführt, die Verkauf und Renditemaximierung ausschließt. Heute mit über 140 Märkten, ohne dass je ein Investor Dividende erwartet hätte.

Ecosia — Vertragliche Klausel verhindert jeden Verkauf. Gründer Christian Kroll hat persönlich auf zukünftige Millionengewinne verzichtet — schriftlich, unwiderruflich.

Sharetribe (Finnland) — Softwareunternehmen, das sich in ein gemeinnütziges Unternehmen umgewandelt hat. Der Gründer hält keine verwertbaren Anteile mehr.

D. Orte & Initiativen

Purpose Stiftung — Berlin · purpose-economy.org

Verantwortungseigentum e.V. — Deutschland · verantwortungseigentum.org

Stiftung Verantwortungseigentumstiftung-verantwortungseigentum.org

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