Zum Inhalt springen

Gleichheit · Staats- & Rechtsleben

Lobbyismus

A. Aktuelle Lage

Lobbyismus ist in Deutschland legal, weitgehend unkontrolliert und strukturell einflussreich. Das Lobbyregister des Bundestags wurde 2021 eingeführt — aber es erfasst nicht alle, die politischen Einfluss ausüben, und die Angaben sind kaum überprüfbar. Gleichzeitig ist der „Drehtür-Effekt" gut dokumentiert: Politiker wechseln in Unternehmensberatungen und Konzerne, Unternehmensvertreter in Ministerien.

Das Problem ist nicht, dass Interessengruppen mit Politikern sprechen — das ist legitim. Das Problem ist, wenn dieser Zugang ungleich verteilt ist und wenn Lobbying-Aktivitäten unsichtbar bleiben.

B. Lösungsansätze

  • Legislativer Fußabdruck — Jeder Gesetzentwurf sollte dokumentieren, welche externen Akteure in seiner Entstehung beteiligt waren. In Frankreich und Kanada gibt es solche Regelungen ansatzweise.
  • Drehtür-Regelungen verschärfen — Wartezeiten von mindestens drei Jahren, bevor ehemalige Minister und Staatssekretäre in direkt verbundenen Branchen tätig werden dürfen. Besser kontrolliert und mit echten Sanktionen.
  • Gleicher Zugang für Zivilgesellschaft — Wenn Unternehmensverbände regelmäßig in Ministerien empfangen werden, sollte das auch für Verbraucherverbände, Gewerkschaften und NGOs gelten — mit vergleichbaren Ressourcen.

C. Praktische Beispiele

Lobbycontrol-Berichte — Jährliche Dokumentation von Lobbyismus in Deutschland. Zeigt konkret, wer wen trifft und welche Gesetzgebung dabei entsteht.

EU-Transparenzregister — Pflichtregister für alle, die EU-Institutionen beeinflussen wollen. Bessere Datenqualität als das deutsche Register, aber immer noch lückenhaft.

Kanadas Lobbying Act — Einer der strengsten Regulierungsrahmen weltweit. Alle Lobbykontakte müssen innerhalb von 10 Tagen registriert werden, öffentlich einsehbar.

D. Orte & Initiativen

LobbyControl — lobbycontrol.de

Transparency International Deutschland — transparency.de

Abgeordnetenwatch — abgeordnetenwatch.de

Zugehörige Beiträge